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<title>Ansār</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Ansār</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr">
<p>Als <b>Ansār</b> (<a href="Arabische_Sprache" title="Arabische Sprache">arabisch</a> <bdo dir="ltr"><bdi dir="rtl" lang="ar" class="arabic spanAr" style="unicode-bidi:isolate;font-size:120%;">أنصار</bdi></bdo>, <a href="DIN_31635" title="DIN 31635">DMG</a> <i><span lang="ar-Latn" style="font-style:italic">anṣār</span></i> ‚Helfer‘) werden die Anhänger des islamischen Propheten <a href="Mohammed" title="Mohammed">Mohammed</a> aus der Stadt Yathrib (später <a href="Medina" title="Medina">Medina</a>) bezeichnet, die ihn und seine Anhänger aus <a href="Mekka" title="Mekka">Mekka</a>, die sogenannten <a href="Muh%C4%81dschir%C5%ABn" title="Muhādschirūn">Muhādschirūn</a>, im Jahr 622 in ihrer Stadt aufnahmen. Sie bestanden im Wesentlichen aus den arabischen Stämmen der <a href="Chazradsch" class="mw-redirect" title="Chazradsch">Chazradsch</a> und <a href="Banu_Aus" class="mw-redirect" title="Banu Aus">Aus</a>, die in dieser Zeit zusammen mit anderen, jüdischen Stämmen Yathrib besiedelten.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Koranische_Verwendung_des_Begriffs">Koranische Verwendung des Begriffs</h2></div>
<p>Der Begriff <i>Anṣār</i> (‚Helfer‘) kommt schon im <a href="Koran" title="Koran">Koran</a> vor. Hier wird er zunächst für die Jünger Jesu’ verwendet:
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Als Jesus aber fand, dass sie ungläubig waren, sagte er: „Wer sind meine Helfer (auf dem Weg?) zu Gott?“ Die Jünger sagten: Wir sind die Helfer Gottes (<i>anṣār Allāh</i>). Wir glauben an ihn. Bezeuge, dass wir ihm ergeben sind!“
</p>
</blockquote>
</div></div>
<p>In <a href="Sure_61" class="mw-redirect" title="Sure 61">Sure 61</a>:14 werden die Gläubigen aufgefordert, in der gleichen Weise, wie dies die Jünger Jesu’ gewesen waren, „Helfer Gottes“ zu sein. Hier scheint der Begriff noch nicht für eine bestimmte Gruppe unter den Gläubigen reserviert zu sein.
</p><p>Eine Differenzierung zwischen mekkanischen und medinischen Muslimen, die auf die arabische Wortwurzel <i>n-ṣ-r</i> zurückgreift, findet sich erstmals in <a href="Sure_8" class="mw-redirect" title="Sure 8">Sure 8</a>:72, wo es heißt:
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Diejenigen, die glauben und ausgewandert sind und mit ihrem Vermögen und in eigener Person <a href="F%C4%AB_sab%C4%ABli_Ll%C4%81h" title="Fī sabīli Llāh">um Gottes willen</a> Krieg geführt (w. sich abgemüht) haben, und diejenigen, die (ihnen) Aufnahme gewährt und Beistand geleistet haben (<i>allaḏīna awau wa-naṣarū</i>), die sind untereinander Freunde.“
</p>
</blockquote>
</div></div>
<p>Die Gegenüberstellung von „Auswanderern“ (<i>muhāǧirūn</i>) und „Helfern“ (<i>anṣār</i>) begegnet dann noch zwei Mal in prägnanter Verkürzung in <a href="Sure_9" class="mw-redirect" title="Sure 9">Sure 9</a>:100 und 9:117.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Die_Ansār_nach_der_islamischen_Überlieferung"><span id="Die_Ans.C4.81r_nach_der_islamischen_.C3.9Cberlieferung"></span>Die Ansār nach der islamischen Überlieferung</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Vorgeschichte">Vorgeschichte</h3></div>
<p>In der Zeit vor der <a href="Hidschra" title="Hidschra">Hidschra</a> Mohammeds gab es in der Umgebung <a href="Yathrib" class="mw-redirect" title="Yathrib">Yathribs</a> (Medina) eine generationenlange Fehde mit jüdischen und arabischen Stammesgruppen auf beiden Seiten, die zu einer allgemeinen Erschöpfung führte. Die Chazradsch waren dabei mit den jüdischen Stämmen der <a href="Ban%C5%AB_Qurai%E1%BA%93a" class="mw-redirect" title="Banū Quraiẓa">Banū Quraiẓa</a> und <a href="Ban%C5%AB_%CA%BEl-Na%E1%B8%8D%C4%ABr" class="mw-redirect" title="Banū ʾl-Naḍīr">Banū ʾl-Naḍīr</a> verbündet, die <a href="Banu_Aus" class="mw-redirect" title="Banu Aus">Banu Aus</a> mit dem dritten jüdischen Stamm Yathribs, den <a href="Ban%C5%AB_Qainuq%C4%81%CA%BF" title="Banū Qainuqāʿ">Banū Qainuqāʿ</a>. In den Jahren vor der Hidschra war nach längeren Kämpfen zwar eine gewisse Ruhe eingekehrt, die jedoch nur auf die gegenseitige Erschöpfung und nicht auf einen Friedensschluss gegründet war. Als im Jahre 620 sechs Angehörige der Chazradsch mit Mohammed zusammentrafen, erhofften sie sich wahrscheinlich Mohammeds Vermittlung in dem Konflikt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Die_beiden_ʿAqaba-Treffen"><span id="Die_beiden_.CA.BFAqaba-Treffen"></span>Die beiden ʿAqaba-Treffen</h3></div>
<p>Bei der Wallfahrt 621 kehrten fünf von den sechs Männern aus Yathrib zurück und brachten sieben weitere Männer mit, darunter auch zwei von den Aus. An einem abgelegenen Ort namens ʿAqaba gelobten die zwölf Männer, Mohammed und seine Anhänger aufzunehmen und sie wie ihre Frauen und Kinder zu schützen (deshalb <i>baiʿat an-nisāʾ</i> „Huldigung der Frauen“). <a href="Ibn_Ish%C4%81q" title="Ibn Ishāq">Ibn Ishāq</a> berichtet, dass Muḥammad zusammen mit den zwölf Männern einen seiner mekkanischen Anhänger, <a href="Mus%CA%BFab_ibn_%CA%BFUmair" title="Musʿab ibn ʿUmair">Musʿab ibn ʿUmair</a>, nach Yathrib schickte und ihm auftrug, „ihnen den Qurʾān vorzutragen, sie den Islam zu lehren, und sie in der Religion zu unterweisen.“
</p><p>Im darauffolgenden Jahr kam es während des <a href="Haddsch" title="Haddsch">Ḥaddsch</a> (Juni 622) zu einem zweiten Treffen in al-ʿAqaba, an dem diesmal 73 Männer aus Yathrib teilnahmen. Sie schworen nicht nur Mohammad den treuen Gehorsam, sondern gelobten auch, für ihn zu kämpfen. Dieser Eid ist deswegen als baiʿat al-ḥarb („Huldigung des Krieges“) bekannt. Möglicherweise bekamen die Anhänger Muḥammads aus Yathrib schon bei dieser Gelegenheit den Titel <i>Anṣār</i> („Helfer“) verliehen. Die islamische Tradition setzt zu diesem Ereignis Koranvers 61:14 in Beziehung, in dem die Gläubigen aufgefordert werden, wie die Jünger Jesu‘ „Helfer Gottes“ zu sein.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Mohammed selbst musste aus Mekka fliehen, da er sich, weil er die Götter der Mekkaner verunglimpfte, mit dem Großteil der Bevölkerung dort zerstritten hat und sein Beschützer <a href="Ab%C5%AB_T%C4%81lib_ibn_%CA%BFAbd_al-Muttalib" title="Abū Tālib ibn ʿAbd al-Muttalib">Abū Tālib ibn ʿAbd al-Muttalib</a>, schon drei Jahre vorher gestorben war.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Nach_der_Ankunft_Mohammeds_in_Medina">Nach der Ankunft Mohammeds in Medina</h3></div>
<p>Das Ergebnis war tatsächlich ein Friedensschluss und ein Vertrag, der den Stadtstaat „<a href="Medina" title="Medina">Madinatun-Nabi</a>“ als Föderation autonomer Stämme mit einer gemeinsamen Außen- und Verteidigungspolitik begründete. Die arabischen Stämme nahmen dabei, so die islamischen Quellen, mehr oder weniger aufrichtig den Islam an, und die jüdischen Stämme behielten ihre gesellschaftliche und religiöse Identität und ihre interne Rechtsautonomie.
</p><p>Mohammed und seine Muhâjirûn beraubten sich, durch ihre Emigration aus Mekka, jeglicher Mittel zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes und waren deshalb auf die Hilfe der al-Ansâr angewiesen. Da dies kein Dauerzustand sein konnte, organisierte der Prophet Kriegszüge, um die Karawanen, die mit Mekka Handel trieben, abzufangen (siehe <a href="Schlacht_von_Badr" title="Schlacht von Badr">Schlacht von Badr</a>). Dieses verschlimmerte natürlich das Verhältnis mit den <a href="Quraisch" title="Quraisch">Quraisch</a> und den anderen mekkanischen Stämmen.
</p><p>In diesem Gemisch von Muhâjirûn und Ansâr, Chazradsch und Aus, Muslimen, <a href="Polytheismus" title="Polytheismus">Polytheisten</a> und <a href="Juden" title="Juden">Juden</a>, gab es nicht nur Gewinner des Friedensschlusses innerhalb Medinas (außerhalb herrschte Krieg). Muslimische Quellen berichten von den vielen Fehden im Madinatun-Nabi. Die Unzufriedenen, wie z.&nbsp;B. die Wa’il, paktierten bisweilen auch mit den äußeren Feinden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Nach_dem_Tode_des_Propheten">Nach dem Tode des Propheten</h3></div>
<p>Nach dem Tod des Propheten traten schwere Meinungsverschiedenheiten zwischen den mekkanischen Muhādschirūn und den Ansār auf. Die Ansār zogen zu <a href="Sa%CA%BFd_ibn_%CA%BFUb%C4%81da" title="Saʿd ibn ʿUbāda">Saʿd ibn ʿUbāda</a>, dem Chef des medinischen Clans Banū Sāʿida, und versammelten sich in seiner <i>Saqīfa</i>, einem offenen Versammlungsplatz. Dort huldigten sie Saʿd und erhoben die Forderung, dass sich die Ansār und die Quraisch trennen und jeweils eigene Befehlshaber wählen sollten. Damit drohte die islamische Gemeinschaft, auseinanderzubrechen. Nur durch <a href="%CA%BFUmar_ibn_al-Chatt%C4%81b" title="ʿUmar ibn al-Chattāb">ʿUmar ibn al-Chattāb</a>, der überraschend <a href="Ab%C5%AB_Bakr" title="Abū Bakr">Abū Bakr</a> huldigte und die anderen Muslime zur Anerkennung seiner Herrschaft drängte, konnte der Zusammenhalt der muslimischen Gemeinschaft gesichert werden. Einer der ersten Männer aus den Reihen der Ansār, der Abū Bakr huldigte, war nach den arabischen Quellen Baschīr ibn Saʿd. Er rivalisierte mit seinem Onkel Saʿd ibn ʿUbāda um die Führung der Chazradsch. Nachdem er sich von Saʿd abgewandt und ʿUmar den Treueid geleistet hatte, folgten ihm darin auch die anderen Ansār.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Die_Ansar_des_Mahdi">Die Ansar des Mahdi</h2></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Ansar_(Mahdi-Aufstand)" title="Ansar (Mahdi-Aufstand)">Ansar (Mahdi-Aufstand)</a></i></div>
<p>Als Ansār bezeichneten sich auch die Anhänger von <a href="Muhammad_Ahmad" title="Muhammad Ahmad">Muhammad Ahmad</a> während des <a href="Mahdi-Aufstand" title="Mahdi-Aufstand">Mahdi-Aufstandes</a> im <a href="Sudan" title="Sudan">Sudan</a> von 1881 bis 1899. Diese Bezeichnung ist angelehnt an die Bezeichnung der Unterstützer des Propheten Mohammed.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>W. Montgomery Watt: Art. „Anṣār“ in <i>Encyclopaedia of Islam</i>. Second Edition. Bd. I, S. 514f.</li>
<li><a href="Ibn_Ishaq" class="mw-redirect" title="Ibn Ishaq">Ibn Ishaq</a>, Gernot Rotter (Übersetzer): <i>Das Leben des Propheten. As-Sira An-Nabawiya</i>. Spohr, Kandern im Schwarzwald 1999, ISBN 3-927606-22-7.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Belege">Belege</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. <a href="At-Tabar%C4%AB" title="At-Tabarī">at-Tabarī</a>: <i>Ǧāmiʿ al-bayān ʿan taʾwīl āy al-Qurʾān</i> ad 61:14.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. Wilferd Madelung: <i>The Succession to Muḥammad. A Study of the Early Caliphate.</i> Cambridge 1997. S. 28–34.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">P. M. Holt: <cite style="font-style:italic">The Mahdist State in the Sudan 1881–1898: A study of its origins, development and overthrow.</cite> Oxford University Press, 1958, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>106</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Ans%C4%81r&amp;rft.au=P.+M.+Holt&amp;rft.btitle=The+Mahdist+State+in+the+Sudan+1881-1898%3A+A+study+of+its+origins%2C+development+and+overthrow.&amp;rft.date=1958&amp;rft.genre=book&amp;rft.pages=106&amp;rft.pub=Oxford+University+Press" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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